Finanzen überprüfen 2026: die 7-Schritte-Anleitung
Wie du deine Finanzen systematisch überprüfst, was du dabei findest und welche Tools dir die Arbeit abnehmen. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Checkliste.
Alexander
Gründer von MyFinance
Inhaltsverzeichnis
- Wann lohnt sich eine Finanzprüfung?
- Schritt 1: Bestandsaufnahme (45 Minuten)
- Schritt 2: Cashflow-Check (45 Minuten)
- Schritt 3: Sparquote berechnen (15 Minuten)
- Schritt 4: Notgroschen prüfen (15 Minuten)
- Schritt 5: Versicherungen durchgehen (45 Minuten)
- Schritt 6: Steuern und Lohnersatzleistungen (30 Minuten)
- Schritt 7: Anlage-Strategie prüfen (60 Minuten)
- Frage 1: Passt dein Anlage-Mix zu deinem Anlagehorizont?
- Frage 2: Bist du diversifiziert?
- Frage 3: Sind die Kosten niedrig?
- Die Checkliste in Kurzform
- Mit welchen Tools geht es schneller?
- Häufige Fragen
Wann lohnt sich eine Finanzprüfung?
Faustregel: einmal jährlich vollständig, monatlich in Kurzform. Der jährliche Check dauert 3 bis 5 Stunden und deckt strukturelle Themen ab. Der monatliche Check dauert 15 bis 30 Minuten und prüft, ob die aktuelle Strategie noch passt.
Gute Anlässe für eine vollständige Prüfung:
- Jahresende (Bilanz ziehen, Steuer planen)
- Geburtstag oder Hochzeitstag (mentaler Stichtag)
- Lebensereignis (Heirat, Kind, Jobwechsel, Erbschaft)
- Größere Anschaffung geplant (Haus, Auto, Sabbatical)
Diese Anleitung führt dich durch die volle Prüfung.
Schritt 1: Bestandsaufnahme (45 Minuten)
Du brauchst die ehrliche Ist-Aufnahme deiner Finanzen. Vermögen und Schulden, alles. Wenn du das noch nie strukturiert gemacht hast, ist allein dieser Schritt erkenntnisreich.
Was du brauchst:
- Übersicht aller Konten (Giro, Tagesgeld, Sparbuch)
- Depot-Auszüge
- Immobilien-Werte (grob, aktuelle Marktlage)
- Krypto-Wallets
- Schuldenstand (Kredite, Hypothek, Konsumkredite)
Was du machst: Erstelle eine Tabelle (Excel oder Papier) mit zwei Spalten:
| Vermögen | Schulden |
|---|---|
| Girokonto: 3.400 € | Hypothek: 168.000 € |
| Tagesgeld: 12.000 € | Kreditkarte: 920 € |
| Depot: 58.000 € | |
| Immobilie: 240.000 € | |
| Krypto: 4.300 € | |
| Summe: 317.700 € | Summe: 168.920 € |
| Nettovermögen: 148.780 € |
Diese Sicht ist deine persönliche Bilanz. Wenn du sie das erste Mal siehst, weißt du oft das erste Mal, wo du wirklich stehst.
Mit Tools wie MyFinance entsteht diese Bilanz automatisch, sobald du Konten und Depots verknüpfst.
Schritt 2: Cashflow-Check (45 Minuten)
Was geht rein, was geht raus? Hol dir die letzten 3 Kontoauszüge (Giro plus Kreditkarte) und sortiere alle Bewegungen in Kategorien:
- Einnahmen (Gehalt, Nebeneinkommen, Dividenden, Mieten)
- Fixkosten (Miete, Versicherungen, Abos, Internet, ÖPNV-Ticket)
- Variable Ausgaben (Lebensmittel, Restaurant, Kleidung, Hobby)
- Sparen (Sparpläne, Tilgung, Daueraufträge auf Tagesgeld)
Bilde dann den monatlichen Durchschnitt je Kategorie. Drei Monate, damit Ausreißer wie Jahresbeiträge (Hausrat-Versicherung, GEZ-Pauschale) auffallen.
Was du suchst:
- Ist die Summe „Einnahmen − Fixkosten − Variabel" positiv? → Du sparst
- Wie hoch ist deine Sparquote? (siehe Schritt 3)
- Gibt es Posten, die du nicht erklären kannst? (oft Abos, die längst vergessen sind)
Detailliertere Anleitung im Ratgeber Monatsbudget aufstellen.
Schritt 3: Sparquote berechnen (15 Minuten)
Sparquote = monatlich Gespartes ÷ monatliches Netto-Einkommen × 100
Beispiel: 4.000 € Netto, 800 € Sparrate = 20 % Sparquote.
Faustregel:
- Unter 10 %: zu niedrig, struktureller Eingriff nötig
- 10 bis 20 %: solide, durchschnittlich
- 20 bis 35 %: gut, ambitioniert
- über 35 %: außergewöhnlich, oft FIRE-Strategie
Mehr im Ratgeber Sparquote berechnen.
Schritt 4: Notgroschen prüfen (15 Minuten)
Du brauchst 3 bis 6 Nettogehälter auf einem Tagesgeldkonto, sofort verfügbar.
Faustregel:
- Angestellt, unbefristet, Single: 3 Nettogehälter
- Familie, Hauptverdiener: 4 bis 6
- Befristet, selbstständig: 6 bis 9
- Im Ruhestand: 12 bis 18
Wenn du unter dem Minimum liegst, ist der erste Sparhebel der Notgroschen, nicht ETFs. Mehr im Ratgeber Notgroschen: wie viel und wo parken?.
Schritt 5: Versicherungen durchgehen (45 Minuten)
Hier sitzen oft die größten ungenutzten Hebel. Drei Fragen je Versicherung:
- Brauchst du sie überhaupt?
- Ist sie ausreichend hoch / niedrig?
- Zahlst du marktüblich? (alle 3 Jahre vergleichen)
Pflicht für die meisten:
- Krankenversicherung
- Haftpflicht
- Bei Eigentum: Wohngebäudeversicherung
Empfohlen je nach Lebenssituation:
- Berufsunfähigkeit (wenn du noch arbeitest)
- Risikolebensversicherung (wenn Familie finanziell von dir abhängt)
- Hausrat (wenn Wert des Inventars hoch ist)
Oft überflüssig:
- Reisegepäckversicherung (oft in Hausrat enthalten)
- Glasversicherung (im Bedarfsfall billiger selbst zahlen)
- Sterbegeldversicherung (mathematisch ungünstig, Rücklage besser)
Versicherungs-Doppelungen sind häufig. Ein Tarifcheck alle 3 Jahre spart vielen Menschen 200 bis 600 € pro Jahr. Mehr im Ratgeber Fixkosten-Anteil.
Schritt 6: Steuern und Lohnersatzleistungen (30 Minuten)
Bist du steuerlich optimal aufgestellt? Drei Hebel:
- Werbungskosten vollständig ausgenutzt? (Pendlerpauschale, Homeoffice, Fortbildung) Mehr im Ratgeber Werbungskosten 2026.
- Steuerklasse für Ehepaare optimal? Eventuell Faktorverfahren statt 3/5? Mehr im Ratgeber Steuerklasse 3 oder 4 für Ehepaare.
- Vorsorgeaufwendungen vollständig genutzt? (bAV-Höchstgrenzen, Riester-Förderung)
Mit dem Brutto-Netto-Rechner und dem Gesamtsteuerlast-Rechner kannst du die Effekte konkret durchspielen.
Schritt 7: Anlage-Strategie prüfen (60 Minuten)
Der wichtigste Schritt für die Vermögensentwicklung. Drei Fragen:
Frage 1: Passt dein Anlage-Mix zu deinem Anlagehorizont?
| Zeithorizont | Empfohlener Aktien-Anteil |
|---|---|
| Unter 5 Jahre | 0 bis 30 % |
| 5 bis 15 Jahre | 30 bis 70 % |
| 15+ Jahre | 70 bis 90 % |
Wer 15+ Jahre Horizont hat und nur Tagesgeld nutzt, verliert real Vermögen (Inflation übersteigt Tagesgeldzinsen).
Frage 2: Bist du diversifiziert?
Ein einzelner Aktien-ETF auf den MSCI World oder FTSE All-World deckt die wesentliche Diversifikation ab. Wer alles in eine einzige Aktie steckt oder nur in deutsche DAX-Werte investiert, hat Klumpenrisiken.
Mehr im Ratgeber MSCI World erklärt.
Frage 3: Sind die Kosten niedrig?
Sparpläne mit Gesamtkostenquote über 1 % p. a. (TER + Sparplan-Gebühren) fressen über 30 Jahre erhebliche Renditen. Günstige ETF-Sparpläne liegen oft unter 0,2 % TER und werden bei vielen Online-Brokern gebührenfrei ausgeführt.
Mit dem Sparplanrechner kannst du den Kosten-Effekt über lange Zeiträume sichtbar machen.
Die Checkliste in Kurzform
Wenn du die volle Prüfung gemacht hast, sollte am Ende eine Liste mit konkreten Aktionspunkten stehen. Beispiel:
- Notgroschen von 8.000 € auf 12.000 € aufstocken (4 Monate Daueraufrag erhöhen)
- Hausratversicherung kündigen und Vergleich (Ziel: −80 €/Jahr)
- Sparplan von 250 € auf 350 € erhöhen ab Mai
- Steuererklärung 2025 abgeben (Erstattung erwartet)
- Bei nächster Gehaltserhöhung 50 % in höhere Sparrate
Diese Liste ist dein Plan für die nächsten Monate.
Mit welchen Tools geht es schneller?
Vieles in dieser Anleitung kostet Zeit, weil Daten zusammengesucht werden müssen. Spezialisierte Tools übernehmen den größten Teil:
- Bestandsaufnahme: MyFinance bündelt Konten, Depots und manuelle Posten automatisch in einer Bilanz
- Cashflow-Check: Haushaltsbudget-Rechner für Einzelanalyse, MyFinance für laufendes Tracking
- Sparquote: Im Dashboard, oder mit Sparplanrechner für Zukunfts-Projektion
- Versicherungen: Vergleichsportale, danach jährlich prüfen
- Anlage-Optimierung: ETF-Vergleichsrechner und Vermögenswachstums-Rechner
- Komplettcheck: Der Finanz-Gesundheits-Check gibt dir einen schnellen Status quo
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich meine Finanzen überprüfen? Einmal im Jahr ausführlich (3 bis 5 Stunden), einmal im Monat in Kurzform (15 bis 30 Minuten). Wer ein Finanz-Dashboard nutzt, hat täglich Sichtbarkeit, ohne aktiv prüfen zu müssen.
Was ist der häufigste Fehler bei der Finanzprüfung? Nur die Vermögensseite anschauen und die Schulden ignorieren. Die persönliche Bilanz ist nur dann ehrlich, wenn beide Seiten dargestellt werden. Wer 100.000 € Depot und 60.000 € Konsumkredite hat, ist nicht reich, sondern hat 40.000 € Nettovermögen.
Brauche ich einen Finanzberater für die Prüfung? Für die strukturelle Bestandsaufnahme nein, das schaffst du selbst. Bei komplexeren Fragen (Erbschaft, Selbstständigkeit, größere Vermögensallokation) lohnt Honorarberatung, nicht Provisionsberatung.
Was sind die Top-3-Probleme, die bei Finanzprüfungen typisch auftauchen? Erstens: vergessene Abos, die monatlich abgehen. Zweitens: doppelte Versicherungen (z. B. Hausrat + Reisegepäck). Drittens: Sparplan-Inflation (Sparrate hat sich seit Jahren nicht erhöht, obwohl das Gehalt gewachsen ist).
Wie merke ich, ob meine Finanzen „gesund" sind? Fünf Kennzahlen:
- Sparquote über 15 %
- Notgroschen voll
- Keine Konsumkredite über 5 % Zinsen
- Anlage-Mix passt zum Horizont
- Versicherungs-Anteil unter 8 % des Netto
Wenn alle fünf passen, bist du strukturell gesund. Mehr im Finanz-Gesundheits-Check.
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Über den Autor
AlexanderGründer von MyFinance
Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.
Alle Artikel von Alexander →Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung. Alle Berechnungen nutzen die offiziellen Werte für das jeweilige Steuerjahr. Mehr dazu in unseren redaktionellen Standards.