Steuerklasse 3 oder 4 bei Ehepaaren — was lohnt sich 2026?

3/5 oder 4/4 oder 4/4 mit Faktor — die Wahl der Steuerklasse beeinflusst dein monatliches Netto deutlich. Hier die Faustregeln plus Live-Vergleich für deine Situation.

· 5 min Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

Wenn du heiratest, wechselst du automatisch in Steuerklasse 4/4. Aber das ist nicht immer die beste Wahl — gerade wenn die Gehälter ungleich sind, kannst du mit der richtigen Kombination einige hundert Euro mehr im Monat haben. Wichtig vorweg: das ist kein Steuersparen, sondern nur eine andere Verteilung übers Jahr.

Die Optionen für Verheiratete

Es gibt drei Kombinationen, die Verheiratete wählen können:

1. Steuerklasse 4/4 (Standard)

Beide werden wie Singles behandelt — d.h. Lohnsteuer wird so berechnet, als wäre jeder allein. Funktioniert gut, wenn beide ähnlich verdienen. Bei großen Einkommensunterschieden zahlt der Geringverdiener relativ zu wenig und der Hauptverdiener bekommt am Jahresende eine Steuernachzahlung.

2. Steuerklasse 3/5

Der Hauptverdiener wechselt in Klasse 3 (mit doppeltem Grundfreibetrag), der Partner in Klasse 5 (ohne Grundfreibetrag).

  • Klasse 3: sehr niedrige Lohnsteuer-Vorabzüge → mehr Netto im Monat für den Hauptverdiener
  • Klasse 5: hohe Lohnsteuer-Vorabzüge → wenig Netto im Monat für den Geringverdiener

Am Jahresende: Steuererklärung ist Pflicht und führt meist zu einer kleinen Nachzahlung.

3. Steuerklasse 4/4 mit Faktor

Eine Kombination beider Welten: beide bleiben in 4/4, aber das Finanzamt berechnet einen Faktor (zwischen 0 und 1), der die Lohnsteuer monatlich präzise verteilt.

  • Vorteil: keine Steuernachzahlung am Jahresende, monatlicher Cashflow ist trotzdem fairer als bei 3/5
  • Nachteil: muss alle 2 Jahre beim Finanzamt neu beantragt werden

Live-Vergleich

Probier's selbst aus — gib hier dein Bruttogehalt ein und vergleiche, wie sich die Steuerklasse auf dein Netto auswirkt:

Im vollständigen Brutto-Netto-Rechner kannst du die Steuerklasse explizit umstellen und die Differenz präzise sehen.

Konkretes Beispiel: Paar mit 70k + 30k

Nehmen wir ein typisches Szenario an:

  • Partner A: 70.000 € Brutto/Jahr
  • Partner B: 30.000 € Brutto/Jahr
  • Beide gesetzlich versichert, keine Kirchensteuer, keine Kinder, Bayern
KonstellationNetto Partner A/MonatNetto Partner B/MonatSumme/Monat
4/4ca. 3.660 €ca. 1.860 €5.520 €
3/5ca. 4.450 €ca. 1.430 €5.880 €
4/4 mit Faktorca. 3.870 €ca. 1.770 €5.640 €

Auf den ersten Blick wirkt 3/5 am attraktivsten (+360 €/Monat im Haushalts-Cashflow). Aber: am Jahresende kommt eine Steuernachzahlung von ca. 3.500-4.000 €. Über das Jahr ausgeglichen ist die effektive Differenz also nahe Null.

Was lohnt sich für wen?

Die Faustregel:

Verhältnis A:BBeste WahlBegründung
50:50 bis 60:404/4Ähnliche Einkommen → Standard reicht
60:40 bis 80:204/4 mit FaktorUnterschied existiert, aber Nachzahlung vermeiden
80:20 oder mehr3/5Maximaler monatlicher Cashflow für Hauptverdiener — Nachzahlung ist erträglich

Spezialfälle, wo 3/5 strategisch sinnvoll ist:

  • Geringverdiener will weniger arbeiten und davon profitieren — kürzere Arbeitszeit, weniger Steuerabzug
  • Elternzeit-Planung: Wer in Elternzeit geht, sollte vorher in Klasse 3 wechseln, weil das Elterngeld vom Netto abhängt
  • Kurz vor Arbeitslosigkeit: ALG I richtet sich nach dem Netto der letzten 12 Monate — Klasse 3 erhöht das ALG

Wechsel-Mechanik 2026

Seit 2020 darf man die Steuerklasse mehrfach pro Jahr wechseln (früher nur einmal pro Jahr). Antrag stellst du:

  • Online: über ELSTER (kostenlos, ~10 Minuten)
  • Auf Papier: Formular „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten / Lebenspartnern" beim Finanzamt

Der Wechsel wird im Folgemonat wirksam.

Worauf du sonst achten solltest

  • Steuererklärung wird Pflicht bei 3/5 und 4/4 mit Faktor — bei 4/4 ohne Faktor ist sie freiwillig
  • Soli und Kirchensteuer werden anteilig nach der gewählten Klasse berechnet — keine zusätzlichen Tricks dort
  • Kinderfreibeträge sind unabhängig von der Steuerklasse und wirken erst beim Jahresabschluss

Was sich gegenüber 2025 geändert hat

Das im Koalitionsvertrag angekündigte Aus für Steuerklasse 3/5 und Übergang zu „Steuerklasse 4 mit Faktor als Default" ist 2026 noch nicht in Kraft. Aktueller Stand: weiterhin alle drei Optionen verfügbar, aber das Finanzamt empfiehlt aktiv den Faktor-Weg. Wenn du jetzt heiratest, lohnt es sich oft, direkt 4/4 mit Faktor zu beantragen — dann bist du auf eine künftige Reform schon vorbereitet.

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Häufige Fragen

Lohnt sich 3/5 wenn der Geringverdiener nur Mini-Job hat?

Hier ist es weniger relevant: Mini-Jobs (520 €/Monat) sind ohnehin steuerfrei. Wenn der Hauptverdiener das einzige steuerpflichtige Einkommen hat, bringt 3/5 maximalen monatlichen Cashflow ohne nennenswerte Nachteile.

Wir verdienen beide 50.000 € — welche Klasse?

Bei identischen Einkommen → 4/4 ohne Faktor. Da gibt's nichts zu optimieren, beide würden allein dieselbe Steuer zahlen wie zusammen. Faktor ist unnötig, weil keine Nachzahlung droht.

Wir wollen aber maximal viel Netto aufs Konto — geht das ohne Nachzahlung?

Ja: 4/4 mit Faktor. Du gibst dem Finanzamt eine Vorausschätzung der Jahreseinkommen, das Finanzamt rechnet einen Faktor aus, der die Lohnsteuer punktgenau verteilt. Cashflow-Vorteil im Vergleich zu 4/4 ist real, Nachzahlung kommt keine.

Was kostet die Umstellung?

Nichts — der Steuerklassenwechsel via ELSTER ist gratis. Das einzige „Kosten": die Pflicht zur Steuererklärung im Folgejahr (was viele eh machen, weil sich oft Erstattungen ergeben).

Wie wirkt sich die Wahl aufs Elterngeld aus?

Massiv. Elterngeld ist 65-67 % vom Netto der letzten 12 Monate vor der Geburt. Klasse 3 hat das höhere Netto → höheres Elterngeld. Tipp: mindestens 7 Monate vor Geburt wechseln, damit alle 12 Bezugsmonate mit hohem Netto zählen.

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