Notgroschen 2026: wie viel und wo parken?
Wie hoch dein Notgroschen wirklich sein muss, ob 3 oder 6 Nettogehälter, und wo du das Geld parkst, ohne dass es von der Inflation gefressen wird.
Alexander
Gründer von MyFinance
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Notgroschen?
Ein Notgroschen ist sofort verfügbares Geld, das du anpacken kannst, wenn etwas Unerwartetes passiert. Der Sinn: du musst in der Krise nicht in dein langfristiges Depot eingreifen (wo die Märkte oft genau dann unten sind) oder dich verschulden.
Konkret deckt der Notgroschen:
- Job-Verlust für die Zeit der Arbeitsuche
- Größere Reparaturen (Auto, Heizung, Dach)
- Krankheit mit Verdienstausfall
- Unerwartete Anschaffungen (defektes Großgerät)
Nicht dazu zählt:
- Urlaub (eigener Topf)
- Weihnachten und Geschenke (Jahres-Topf)
- Geplante Anschaffungen (Auto, Möbel)
Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Die Standard-Antwort „3 bis 6 Nettogehälter" ist zu pauschal. Realistischer ist eine Bandbreite je nach Lebenssituation:
| Situation | Empfehlung | Beispiel bei 2.500 € Netto |
|---|---|---|
| Angestellt, unbefristet, Single | 3 Nettogehälter | 7.500 € |
| Angestellt, unbefristet, Familie | 4 bis 6 Nettogehälter | 10.000 bis 15.000 € |
| Befristet oder unsicher | 6 bis 9 Nettogehälter | 15.000 bis 22.500 € |
| Selbstständig | 9 bis 12 Nettogehälter | 22.500 bis 30.000 € |
| Im Ruhestand | 12 bis 18 Nettogehälter | 30.000 bis 45.000 € |
Warum die Spreizung? Wer als Angestellter mit Tarifvertrag arbeitet und im Schlimmstfall 12 Monate Arbeitslosengeld bezieht, braucht weniger Liquiditätspuffer. Wer als Solo-Freelancer abhängig von einzelnen Kunden ist, kann von einem Tag auf den anderen 70 % seines Einkommens verlieren und braucht deutlich mehr.
Wo parken?
Antwort: Tagesgeldkonto. Drei Anforderungen:
- Sofort verfügbar. Du kannst innerhalb eines Werktages über das Geld verfügen.
- Sicher. Einlagensicherung greift bis 100.000 € pro Bank.
- Verzinst. Aktuell 2 bis 3 % bei guten Anbietern.
Was nicht funktioniert:
- Girokonto: Meist 0 % Zinsen, also Wertverlust durch Inflation
- Sparbuch: Wie Giro, plus oft Auszahlungslimits
- Bausparvertrag: Lange Vertragslaufzeit, Bindung
- Festgeld: Funktioniert nur, wenn du sicher bist, dass du das Geld nicht früher brauchst (sonst hohe Kosten beim vorzeitigen Auflösen)
- Depot mit ETFs: Volatilität. In der Krise ist das Depot oft 30 % im Minus, genau dann, wenn du das Geld brauchst.
- Krypto: Selbe Logik wie Depot, nur extremer
Notgroschen aufbauen: wie schnell?
Faustregel: innerhalb von 12 bis 24 Monaten voll. Wenn du 2.500 € Netto verdienst und 6 Nettogehälter aufbauen willst (= 15.000 €), brauchst du bei monatlich 600 € rund 25 Monate. Bei 1.000 €/Monat etwa 15 Monate.
Wichtig: Bevor du in ETFs investierst. Nicht parallel, nicht „weil ETFs ja höhere Rendite bringen". Die Logik ist: ein leerer Notgroschen in der Krise = Verlust-Verkauf im Depot = realer Schaden. Ein voller Notgroschen = du sitzt Krisen aus.
Eine Ausnahme: Bei sehr hohen Arbeitgeber-Zuschüssen zur betrieblichen Altersvorsorge (mehr als 50 % Zuschuss) lohnt sich oft, das mitzunehmen, parallel zum Notgroschen-Aufbau.
Wann ist der Notgroschen „voll" und was dann?
Sobald die Zielmarke (zum Beispiel 6 Nettogehälter) erreicht ist, kein weiterer Daueraufrag auf Tagesgeld. Stattdessen lenkst du den Sparplan in:
- ETF-Sparplan (Vermögensaufbau, Horizont 10+ Jahre). Mehr im Ratgeber 100 € im Monat anlegen oder ETF-Sparplan für Anfänger
- Sondertilgung bei Krediten über 4 % Zinsen
- Altersvorsorge-Ergänzung (bAV-Aufstockung, Rürup, Riester je nach Situation)
Mit dem Sparplanrechner kannst du grob durchrechnen, was 500 € monatlich über 20 Jahre werden.
Wichtig: Den Notgroschen regelmäßig prüfen. Wenn dein Einkommen steigt, sollte er proportional mitwachsen. 6 Nettogehälter bei einem Gehaltssprung von 2.500 € auf 3.500 € heißt, der Notgroschen muss von 15.000 € auf 21.000 € wachsen.
Häufige Fragen
Soll ich den Notgroschen in einem Topf oder über mehrere Banken verteilen? Bis 100.000 € reicht eine Bank (Einlagensicherung). Darüber unbedingt verteilen, weil im Krisenfall (sehr seltener Fall einer Bankpleite) nur die ersten 100.000 € abgesichert sind.
Sind 2 bis 3 % Tagesgeld-Zinsen genug, oder verliert mein Notgroschen Wert? Bei einer Inflation von rund 2 % sind 2,5 % Tagesgeld-Zinsen realwert-neutral. Du verlierst nicht, du gewinnst auch nicht real. Das ist okay für einen Notgroschen, dessen Zweck Sicherheit ist, nicht Rendite.
Ist Festgeld eine Alternative? Nur teilweise. Eine Festgeld-Treppe (Beispiel: 5.000 € drei Monate, 5.000 € sechs Monate, 5.000 € zwölf Monate) gibt etwas mehr Rendite bei akzeptabler Verfügbarkeit. Ein klassischer Single-Festgeldvertrag über 24 Monate ist als Notgroschen ungeeignet.
Was ist mit dem Dispo? Brauche ich überhaupt einen Notgroschen? Klare Antwort: Ja. Dispo-Zinsen liegen oft bei 11 bis 14 %. Wer im Notfall in den Dispo rutscht, zahlt mehr Zinsen pro Monat als der Notgroschen-Aufbau in Form von Zinsverlust kosten würde. Der Dispo ist eine Bankfunktion, kein finanzielles Werkzeug.
Kann ich den Notgroschen für eine Sondertilgung anpacken, wenn meine Hypothek 5 % kostet? Theoretisch ja, weil die 5 % Kreditzinsen höher sind als die 2,5 % Tagesgeldzinsen. Praktisch nein, weil du dann ohne Sicherheitspuffer dastehst. Erst Notgroschen voll, dann Sondertilgung ist die robuste Reihenfolge.
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Über den Autor
AlexanderGründer von MyFinance
Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.
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