Sparplan mit 100 € monatlich: was dabei rauskommt

Was wird aus 100 € im Monat in 10, 20 und 30 Jahren? Konkrete Rechnung mit realistischer ETF-Rendite, Vergleich Tagesgeld vs. ETF und warum der Zinseszins erst spät richtig zündet.

Alexander

Gründer von MyFinance

· 5 min Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

Die Frage, die jeder einmal stellt

100 € sind eine Summe, bei der die meisten Menschen denken: „Lohnt sich das überhaupt?" Die ehrliche Antwort: Auf 10 Jahre nicht spektakulär, auf 30 Jahre absolut. Hier sind die Zahlen.

Die Rechnung in einer Tabelle

Alle Werte mit 100 € monatlicher Sparrate und unterschiedlichen Anlagen, ohne Inflations- und Steuerbereinigung (nominal):

AnlageAnnahme10 Jahre20 Jahre30 Jahre
Sparbuch0,5 % p. a.12.300 €25.300 €38.800 €
Tagesgeld2 % p. a.13.300 €29.500 €49.300 €
Mischfonds4 % p. a.14.700 €36.800 €69.600 €
ETF konservativ5 % p. a.15.500 €41.100 €83.200 €
ETF marktbreit7 % p. a.17.300 €52.100 €121.800 €
Aktien-ETF historisch8 % p. a.18.300 €58.900 €149.000 €

Eingezahlt: in 10 Jahren 12.000 €, in 20 Jahren 24.000 €, in 30 Jahren 36.000 €.

Was du auf den ersten Blick siehst: Auf 10 Jahre macht es wenig Unterschied, ob du Sparbuch oder ETF nimmst (5.000 € Differenz auf 17.300 €). Auf 30 Jahre macht es einen gewaltigen Unterschied (83.000 € Differenz). Das ist der Zinseszins, der erst spät zündet.

Mit dem Sparplanrechner kannst du deine eigene Sparrate und Laufzeit eingeben und siehst die Kurve sofort.

Warum der Zinseszinseffekt erst spät zündet

In den ersten Jahren ist deine Einzahlung größer als die Verzinsung. Beispiel ETF mit 7 % p. a.:

  • Jahr 1: 1.200 € eingezahlt, ca. 40 € Verzinsung → Verzinsung = 3 % der Einzahlung
  • Jahr 10: 12.000 € eingezahlt, Depot bei 17.300 € → Verzinsung pro Jahr ca. 1.200 €
  • Jahr 20: 24.000 € eingezahlt, Depot bei 52.100 € → Verzinsung pro Jahr ca. 3.600 €
  • Jahr 30: 36.000 € eingezahlt, Depot bei 121.800 € → Verzinsung pro Jahr ca. 8.500 €

Im 30. Jahr ist die jährliche Verzinsung über sieben Mal höher als die Einzahlung. Da arbeitet das Geld für dich, nicht mehr du fürs Geld.

Was bleibt real?

Die Zahlen oben sind nominal, also „im Geld der Zukunft". Real (heutiger Wert) sieht es so aus:

Bei 30 Jahren ETF-Endwert nominal 121.800 €:

  • Abzug Inflation 2 % p. a.: Kaufkraft heute ca. 67.300 €
  • Davon Steuern (auf den Gewinn von ~85.000 €, abzüglich Teilfreistellung 30 % auf Aktien-ETFs, also 59.500 € steuerpflichtig × 26,4 % Abgeltungsteuer = ~15.700 €)
  • Real verbleibend in heutiger Kaufkraft: ca. 57.000 € bis 65.000 €

Das ist immer noch deutlich mehr als bei Sparbuch oder Tagesgeld real verbleibt, aber es zeigt: Die nominalen Zahlen am Ende sind nicht 1:1 das, was du dir 2056 leisten kannst.

Was 200 € statt 100 € bringen

Eine wichtige Erkenntnis: Sparrate ist linear, Endkapital ist linear. Wer 200 € statt 100 € spart, hat am Ende exakt das Doppelte:

Sparrate30 Jahre, 7 % p. a.
50 €60.900 €
100 €121.800 €
200 €243.600 €
300 €365.400 €
500 €609.000 €

Wer also seine Sparrate von 100 € auf 200 € verdoppelt, verdoppelt das Endkapital. Wer von 100 € auf 300 € verdreifacht, verdreifacht das Endkapital. Sparrate ist der wichtigste Hebel, deutlich wichtiger als die Wahl des perfekten ETFs.

Tagesgeld vs. ETF: wann macht was Sinn?

  • Tagesgeld für deinen Notgroschen (3 bis 6 Nettogehälter, sofort verfügbar). Mehr im Ratgeber Notgroschen: wie viel und wo parken?
  • ETF-Sparplan für Vermögensaufbau ab 10 Jahre Horizont, gerne länger

Wer unter 10 Jahre denkt, sollte einen Mix nehmen oder ganz auf Tagesgeld setzen. Der ETF hat in einzelnen 5-Jahres-Zeiträumen historisch zwischen -30 % und +120 % gemacht. Für „in fünf Jahren brauche ich das für Haus-Anzahlung" ist das ein Glücksspiel.

Häufige Fragen

Welcher ETF ist der richtige? Für Anfänger ein breit gestreuter Welt-ETF auf den MSCI World oder FTSE All-World. Mehr im Ratgeber MSCI World erklärt und FTSE All-World vs. MSCI World.

Thesaurierend oder ausschüttend? Bei kleinen Beträgen wie 100 € ist das eine Geschmacksfrage, weil der Steuereffekt klein ist. Mehr im Ratgeber Thesaurierend oder ausschüttend?.

Sollte ich jeden Monat denselben Betrag sparen oder mit dem Markt timen? Konstant. Cost Averaging ist die einfachste und nachweislich nicht schlechtere Methode für Privatanleger. Wer Markt-Timing versucht, scheitert statistisch.

Was, wenn ich die 100 € mal nicht aufbringen kann? Pausieren ist okay. Wichtig ist, nicht zu verkaufen, sondern den Sparplan stoppen, das Depot ruhen lassen, und sobald du wieder kannst, weitermachen. Der Zinseszinseffekt arbeitet trotzdem auf dem bisher Investierten weiter.

Wann lohnt sich der Wechsel zu mehr als 100 €? Sobald dein Notgroschen voll ist und keine Konsumkredite mit über 5 % Zinsen offen sind. Jede zusätzliche Sparrate fließt 1:1 in das Endkapital. Bei einem Gehaltssprung von 200 € netto ist der Sparplan-Aufstockung um 100 € (statt 200 € Lifestyle) eine der wirksamsten Vermögens-Entscheidungen, die du treffen kannst.

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Über den Autor

Alexander

Gründer von MyFinance

Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung. Alle Berechnungen nutzen die offiziellen Werte für das jeweilige Steuerjahr. Mehr dazu in unseren redaktionellen Standards.