Thesaurierend oder ausschüttend: welcher ETF-Typ passt zu dir?
Thesaurierende ETFs legen Erträge automatisch wieder an, ausschüttende zahlen Dividenden aus. Welcher Typ für Vermögensaufbau, Steueroptimierung und Auszahlphase besser ist.
Alexander
Gründer von MyFinance
Inhaltsverzeichnis
Wer einen ETF auswählt, stößt schnell auf zwei Varianten desselben Index: einmal „thesaurierend" (oft mit „Acc" gekennzeichnet), einmal „ausschüttend" („Dist"). Was ist der Unterschied, und welcher passt zu dir?
Der Unterschied in einem Satz
Die Unternehmen in deinem ETF zahlen Dividenden. Was damit passiert, unterscheidet die beiden Typen:
- Thesaurierend: Die Dividenden werden automatisch wieder im ETF angelegt. Dein Anteilswert steigt, du bekommst nichts aufs Konto.
- Ausschüttend: Die Dividenden werden dir aufs Verrechnungskonto überwiesen, meist quartalsweise oder jährlich.
Thesaurierend: der Autopilot fürs Vermögen
Bei einem thesaurierenden ETF arbeitet der Zinseszins ohne dein Zutun: Jede Dividende wird sofort reinvestiert und erwirtschaftet selbst wieder Rendite.
Vorteile:
- Maximaler Zinseszinseffekt ohne manuelles Wiederanlegen
- Keine Transaktionskosten fürs Reinvestieren
- Bequem, du musst dich um nichts kümmern
Nachteil:
- Du musst dich um die Vorabpauschale kümmern, eine vorgezogene Steuer, die Anfang des Jahres fällig wird
Wie kraftvoll Wiederanlage über Jahrzehnte wirkt, siehst du im Sparplanrechner:
Ausschüttend: laufende Erträge auf dem Konto
Ein ausschüttender ETF überweist dir die Dividenden direkt. Damit kannst du:
- den Sparerpauschbetrag (1.000 € / 2.000 €) gezielt und planbar ausnutzen
- die Ausschüttungen selbst entscheiden, wo du sie wieder anlegst
- in der Rentenphase ein laufendes Zusatzeinkommen erzeugen, ohne Anteile verkaufen zu müssen
Nachteil: Wenn du die Ausschüttungen wieder anlegen willst, musst du das aktiv tun, und es können kleine Transaktionskosten anfallen.
Steuer: kein echter Unterschied mehr
Bis 2018 waren thesaurierende Auslands-ETFs steuerlich kompliziert. Seit der Investmentsteuerreform gilt: Beide Typen werden ähnlich behandelt.
- Ausschüttende ETFs: Steuer fällt bei jeder Ausschüttung an.
- Thesaurierende ETFs: Steuer fällt über die jährliche Vorabpauschale an.
Unterm Strich zahlst du bei beiden Typen über die Haltedauer eine vergleichbare Steuer. Der Typ ist also kein Steuersparmodell in die eine oder andere Richtung.
Welcher Typ passt zu dir?
| Deine Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Langfristiger Vermögensaufbau, Sparplan | Thesaurierend, der Zinseszins läuft automatisch |
| Du willst den Sparerpauschbetrag gezielt ausnutzen | Ausschüttend, planbare Erträge |
| Du brauchst laufendes Einkommen (z. B. Rente) | Ausschüttend, Cashflow ohne Verkauf |
| Du willst maximale Bequemlichkeit | Thesaurierend, nichts zu tun |
Wenn du gerade erst startest, hilft dir die Schritt-für-Schritt-Anleitung unter ETF-Sparplan für Anfänger.
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Häufige Fragen
Ist thesaurierend oder ausschüttend besser?
Es kommt auf dein Ziel an. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist thesaurierend meist bequemer, weil der Zinseszins automatisch arbeitet. Für laufende Erträge oder das gezielte Ausnutzen des Sparerpauschbetrags ist ausschüttend praktischer.
Zahle ich bei thesaurierenden ETFs mehr Steuern?
Nein. Seit der Investmentsteuerreform 2018 werden beide Typen ähnlich besteuert. Bei thesaurierenden ETFs erfolgt die Besteuerung über die jährliche Vorabpauschale, bei ausschüttenden bei jeder Ausschüttung.
Kann ich von thesaurierend zu ausschüttend wechseln?
Du kannst jederzeit deinen Sparplan auf einen anderen ETF umstellen. Bereits gekaufte Anteile bleiben aber bestehen. Ein „Umtausch" desselben Bestands ist nicht möglich, du müsstest verkaufen und neu kaufen, was Steuer auf Gewinne auslösen kann.
Woran erkenne ich, welcher Typ ein ETF ist?
Am Namenszusatz: „Acc" oder „Accumulating" steht für thesaurierend, „Dist" oder „Distributing" für ausschüttend. Im Factsheet des ETFs ist die Ertragsverwendung ebenfalls angegeben.
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Über den Autor
AlexanderGründer von MyFinance
Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.
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