Sparplanrechner mit Inflation: was ist dein Endkapital real wert?

Warum der nominale Endwert deines Sparplans täuscht und wie du die Inflation realistisch einrechnest. Mit konkreten Beispielen für 20 und 30 Jahre Laufzeit.

Alexander

Gründer von MyFinance

· 5 min Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

Der häufigste Sparplan-Trugschluss

Du gibst in einen Rechner ein: 200 € monatlich, 30 Jahre, 7 % Rendite. Heraus kommt: 244.000 €. Klingt großartig. Aber kannst du dir dafür 2056 das Haus kaufen, das heute 244.000 € kostet?

Nein. Wegen Inflation.

Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2 % pro Jahr brauchst du in 30 Jahren rund 442.000 € um die gleiche Kaufkraft zu haben wie heute mit 244.000 €. Anders gerechnet: die 244.000 € in 30 Jahren entsprechen heute einer Kaufkraft von rund 135.000 €.

Das ist immer noch viel Geld. Aber eben nicht das, was die Rechner-Anzeige vermuten lässt.

Wie Inflation die Kaufkraft frisst

Inflation ist ein exponentieller Effekt, ähnlich dem Zinseszins, nur in die andere Richtung. Hier eine Tabelle, was 100 € heute in der Zukunft wert sind:

JahreBei 2 % InflationBei 3 % InflationBei 4 % Inflation
591 €86 €82 €
1082 €74 €68 €
2067 €55 €46 €
3055 €41 €31 €
4045 €31 €21 €

Bei 30 Jahren mit 2 % Inflation: 100 € heute = 55 € Kaufkraft 2056. Mit dem Inflationsrechner kannst du eigene Werte durchspielen.

Reale Rendite richtig rechnen

Die einfachste Methode ist, die Inflation direkt von der Rendite abzuziehen:

Reale Rendite ≈ Nominalrendite − Inflation

  • ETF mit 7 % Nominalrendite, 2 % Inflation: 5 % real
  • Tagesgeld mit 2,5 % Nominalrendite, 2 % Inflation: 0,5 % real
  • Sparbuch mit 0,5 % Nominalrendite, 2 % Inflation: -1,5 % real (Verlust)

Wenn du im Sparplanrechner auf den realen Vermögenswert kommen willst, gib statt 7 % einfach 5 % ein. Was rauskommt, ist die heutige Kaufkraft deines zukünftigen Vermögens.

Beispielrechnung mit Inflation

200 € monatlich, 30 Jahre Laufzeit:

AnnahmeNominalReal (heute)
7 % Rendite, 0 % Inflation244.000 €244.000 €
7 % Rendite, 2 % Inflation244.000 €135.000 €
7 % Rendite, 3 % Inflation244.000 €100.000 €
5 % Rendite, 2 % Inflation167.000 €92.000 €
4 % Rendite, 2 % Inflation140.000 €78.000 €

Mit anderen Worten: Wenn du in 30 Jahren einen Wert vergleichbar mit heute 135.000 € Kaufkraft haben willst, musst du mit nominal 7 % rechnen, also einem marktbreiten Aktien-ETF. Ein Mischfonds mit 4 % nominal liefert dir nur ~78.000 € Kaufkraft. Das ist immer noch ein Vermögen, aber nicht das, was ein vergleichbarer Konsum heute wäre.

Was die Inflation NICHT angreift

Wichtig: Inflation reduziert die Kaufkraft des Endkapitals, nicht den Vermögensaufbau-Mechanismus. Ein paar Punkte, die unbeschadet bleiben:

  • Sparrate steigt typisch mit dem Einkommen. Wer heute 200 € spart und in 10 Jahren 350 € (durch Gehaltssprünge), gleicht einen Teil der Inflation aus.
  • Aktienkurse spiegeln Inflation langfristig wider. Unternehmen erhöhen Preise mit der Inflation, ihre Gewinne wachsen, ihre Aktienkurse folgen. Über 30+ Jahre haben Aktien historisch die Inflation deutlich geschlagen.
  • Schulden werden real entwertet. Wer heute ein Eigenheim mit 300.000 € finanziert, zahlt in 20 Jahren reale Raten zurück, die viel weniger Kaufkraft kosten als heute eingegangen.

Wie die Inflation Sparpläne unterschiedlich trifft

Eine wichtige Asymmetrie:

  • Sparbuch: Voll der Inflation ausgesetzt (kein Inflationsschutz)
  • Tagesgeld: Leichter Schutz durch Zinsen, real meistens leicht negativ
  • Anleihen: Mittlerer Schutz, abhängig von Laufzeit und Kupon
  • Aktien-ETF: Bester langfristiger Schutz, weil Unternehmen Preise weitergeben
  • Immobilien: Klassischer „Sachwert", inflationsangepasst über Mietsteigerungen und Wertentwicklung
  • Rohstoffe (Gold): Inflationsschutz, aber ohne reale Rendite über lange Zeiträume

Wer langfristig Vermögen aufbaut und Inflation überstehen will, kommt um einen Aktien-Anteil im Depot nicht herum.

Häufige Fragen

Welche Inflation soll ich annehmen? Die langfristige EZB-Zielinflation liegt bei 2 %. Für eine konservative Rechnung sind 2,5 % sinnvoll, weil die Realinflation oft leicht darüber liegt. Wer auf der sicheren Seite plant, nimmt 3 %.

Was, wenn die Inflation deutlich höher steigt wie 2022/2023? Phasen mit 6 bis 10 % Inflation gab es historisch immer wieder. Über sehr lange Zeiträume (30+ Jahre) mittelt sich das in Richtung 2 bis 3 %. Aktien-ETFs haben in solchen Phasen kurzfristig oft schwächere Jahre, langfristig aber die Inflation überholt.

Wie hoch ist die historische reale Aktienrendite in Deutschland? Über die letzten 100 Jahre lag die reale Rendite des DAX (mit allen Krisen und Kriegen) bei rund 5 bis 6 % p. a.. Die nominale Rendite war höher, ein Teil davon Inflationsausgleich.

Sollte ich meine Sparrate jährlich an die Inflation anpassen? Idealerweise ja. Wer heute 200 € spart, sollte in zehn Jahren rund 245 € sparen (bei 2 % Inflation), um die gleiche Kaufkraft beizusteuern. Die einfache Lösung: Bei jeder Gehaltserhöhung den Inflationsanteil in die Sparrate weitergeben.

Was ist mit der Steuer auf den Endwert? Auf den Gewinn fallen 26,375 % Abgeltungsteuer plus eventuell Kirchensteuer. Bei Aktien-ETFs wirkt die Teilfreistellung von 30 %, das heißt nur 70 % des Gewinns sind steuerpflichtig. Mehr dazu im Ratgeber Vorabpauschale 2026 und Thesaurierend oder ausschüttend.

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Über den Autor

Alexander

Gründer von MyFinance

Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.

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