Altersvorsorge mit ETF: der ehrliche Vergleich zu Versicherungen

ETF-Sparpläne haben klassische Vorsorgeprodukte als Standardweg abgelöst. Was sie können, wo Grenzen sind und wie der Vergleich zur Rürup- oder bAV im Detail ausgeht.

Alexander

Gründer von MyFinance

· 5 min Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

ETFs haben in den letzten Jahren klassische Versicherungsprodukte als Standardweg der privaten Altersvorsorge abgelöst. Zu Recht, denn die Mathematik ist eindeutig. Aber auch ETFs sind kein Allheilmittel. Hier der ehrliche Vergleich.

Warum ETF-Sparplan für Altersvorsorge?

Drei Gründe machen einen breit gestreuten Aktien-ETF zum Standard:

  1. Niedrige Kosten: Die laufenden Kosten (TER) liegen bei guten Welt-ETFs bei 0,15 bis 0,25 % pro Jahr. Klassische fondsgebundene Rentenversicherungen kommen oft auf 2 % und mehr, das frisst über Jahrzehnte einen Großteil der Rendite auf.
  2. Volle Flexibilität: Du kannst die Sparrate jederzeit anpassen, pausieren oder kündigen. Bei Bedarf entnimmst du Geld, das ist bei Rürup und vielen bAVs unmöglich.
  3. Transparenz: Du weißt jederzeit, was dein Depot wert ist und wie es zusammengesetzt ist. Bei Versicherungen ist das oft verschleiert.

Wie viel ein ETF-Sparplan im Alter wert ist

Über lange Zeiträume hat ein breit gestreuter Aktien-ETF historisch rund 6 bis 7 % Rendite pro Jahr erwirtschaftet (vor Steuern, nach Inflation deutlich weniger). Was das konkret bedeutet:

Monatliche SparrateLaufzeitEndkapital (7 % p.a.)
100 €30 Jahreca. 122.000 €
200 €30 Jahreca. 244.000 €
300 €30 Jahreca. 365.000 €
500 €30 Jahreca. 610.000 €

Probier deine eigene Sparrate und Laufzeit:

Wie groß deine konkrete Rentenlücke ist, rechnet der Artikel Rentenlücke berechnen.

Steuer in der Ansparphase

Hier liegt der Unterschied zur Rürup-Rente oder bAV: Ein ETF-Sparplan bietet keinen Steuervorteil in der Ansparphase. Du sparst aus dem Netto, ganz normal.

Während der Haltedauer fällt jährlich die Vorabpauschale an, eine kleine vorgezogene Steuer auf thesaurierende ETFs. Solange dein Sparerpauschbetrag von 1.000 € (Single) bzw. 2.000 € (Verheiratete) nicht ausgeschöpft ist, zahlst du praktisch nichts. Details im Artikel Vorabpauschale.

Steuer in der Entnahmephase

Beim Verkauf von ETF-Anteilen fällt Abgeltungsteuer an: 25 % plus Soli (und ggf. Kirchensteuer). Bei Aktien-ETFs sind dank Teilfreistellung nur 70 % der Gewinne steuerpflichtig, die effektive Steuer liegt also bei rund 18 bis 19 %.

Im Vergleich zur bAV oder Rürup zahlst du keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf deine ETF-Entnahmen. Mehr dazu im Artikel ETF-Steuer.

Vergleich mit Rürup und bAV

KriteriumETF-SparplanRürup-RentebAV
Steuervorteil Ansparphaseneinja, hochja, mittel
SV-Ersparnis Ansparphaseneinneinja, teilweise
Arbeitgeberzuschussneinneinmeist ja
Kostensehr niedrig (0,15-0,25 % TER)mittel bis hochmittel
Steuer AuszahlungAbgeltungsteuer mit Teilfreistellungvolle Einkommensteuervolle Einkommensteuer
KV/PV Auszahlungneinneinja (volle Beiträge)
Flexibilitätsehr hochsehr niedrigniedrig
Vererbbarkeituneingeschränktnein (nur Zusätze)beschränkt
Auszahlung als Einmalbetragjaneinmeist ja

Die ausführlichen Einzelartikel:

Die Entnahmephase: dein größter Vorteil

Bei der klassischen Rentenversicherung bekommst du ab Rentenbeginn eine starre monatliche Rente. Ein ETF-Depot lässt dir alle Optionen:

  • Entnahmeplan: regelmäßig fester Betrag, das Restkapital arbeitet weiter
  • Dynamischer Entnahmeplan: Anpassung an Marktlage (z.B. Variable Withdrawal)
  • Einmalentnahmen bei großen Ausgaben (Auto, Reisen, Sanierung)
  • Vererbung: ohne Versicherungsbedingungen direkt an die Erben

Praktische Empfehlung

Für die meisten Sparer eine sinnvolle Kombination:

  1. Arbeitgeberzuschuss zur bAV mitnehmen, bis der maximale Zuschuss fließt
  2. Rest in einen breit gestreuten ETF-Sparplan, am besten direkt nach Gehaltseingang per Dauerauftrag
  3. Bei sehr hohem Steuersatz und Selbstständigkeit Rürup zusätzlich prüfen

Wie du einen ETF-Sparplan praktisch aufsetzt, erklärt der Artikel ETF-Sparplan für Anfänger. Ein guter Ausgangspunkt ist die Übersicht in Private Altersvorsorge.

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Häufige Fragen

Sind ETFs sicher genug für die Altersvorsorge?

Über lange Zeiträume (15+ Jahre) hat ein breit gestreuter Aktien-ETF historisch hohe positive Renditen erwirtschaftet. Kurzfristig kann es kräftige Schwankungen geben. Die Ansparphase einer Altersvorsorge passt zeitlich genau zur typischen Aktien-ETF-Empfehlung.

Wie viel sollte ich für die Altersvorsorge in ETFs sparen?

Eine grobe Faustregel sind 10 bis 15 % des Bruttoeinkommens für Altersvorsorge insgesamt. Wie viel davon in den ETF-Sparplan fließt, hängt davon ab, was über bAV oder andere Wege schon abgedeckt ist. Den konkreten Bedarf zeigt der Renten-Gap-Rechner.

Was ist besser, ETF-Sparplan oder Rürup-Rente?

Für die meisten Angestellten ein ETF-Sparplan. Rürup lohnt sich vor allem für Selbstständige mit hohem Grenzsteuersatz, die keine andere Vorsorge haben. Bei Angestellten frisst die fehlende SV-Ersparnis und die unflexible Auszahlung den Steuervorteil oft auf.

Wie greife ich im Alter aufs Depot zu?

Über einen Entnahmeplan, also regelmäßige Auszahlungen. Du legst Höhe und Rhythmus selbst fest. Beim Verkauf von Anteilen fällt die Abgeltungsteuer mit Teilfreistellung an, nicht der volle Einkommensteuersatz.

Welche ETFs eignen sich für die Altersvorsorge?

Für den Vermögensaufbau bewähren sich breit gestreute Welt-ETFs auf den MSCI World, FTSE All-World oder MSCI ACWI mit niedrigen Kosten (TER unter 0,25 %). Für die Auszahlphase werden oft zusätzlich ausschüttende ETFs oder Anleihen ergänzt.

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Über den Autor

Alexander

Gründer von MyFinance

Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.

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