Rentenlücke berechnen: wie groß ist deine Lücke wirklich?

Zwischen letztem Gehalt und gesetzlicher Rente klafft bei den meisten eine Lücke von 700 € und mehr. So berechnest du deine persönliche Rentenlücke und schließt sie.

Alexander

Gründer von MyFinance

· 4 min Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

Die gesetzliche Rente reicht für die meisten Menschen nicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wie groß die Lücke konkret ist, weiß aber kaum jemand. Dabei lässt sie sich mit wenigen Zahlen abschätzen, und genau das ist der erste Schritt, um sie zu schließen.

Was die Rentenlücke ist

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem, was du im Alter brauchst, und dem, was du bekommst:

Rentenlücke = Bedarf im Alter − gesetzliche Rente (− weitere Einkünfte)

Das Problem: Die gesetzliche Rente ersetzt nur einen Teil deines früheren Einkommens. Das sogenannte Rentenniveau liegt bei rund 48 %, und das bezieht sich auf einen „Standardrentner" mit 45 Beitragsjahren zum Durchschnittsverdienst. Die reale Rente vieler Menschen liegt darunter.

Schritt 1: Deinen Bedarf im Alter schätzen

Im Ruhestand fallen einige Kosten weg (Sparrate, Berufspendeln, oft die Immobilienfinanzierung), andere kommen dazu (Gesundheit, Reisen). Als Faustregel gilt:

Bedarf im Alter ≈ 80 % deines heutigen Netto

Wer heute 2.700 € netto hat, rechnet also mit rund 2.160 € Bedarf im Monat. Dein aktuelles Netto kannst du mit dem Brutto-Netto-Rechner ermitteln.

Schritt 2: Deine gesetzliche Rente abschätzen

Die genaue Zahl steht in deiner jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Eine grobe Orientierung:

Brutto heuteGrobe gesetzliche Rente (45 Jahre)
40.000 €ca. 1.250 €
50.000 €ca. 1.550 €
60.000 €ca. 1.850 €

Schritt 3: Die Lücke berechnen

Ein Rechenbeispiel, mittleres Einkommen, Single:

PositionBetrag/Monat
Bedarf im Alter (80 % von 2.700 € Netto)2.160 €
Gesetzliche Rente (netto, nach Abzügen)ca. 1.350 €
Rentenlückeca. 810 €

Über 810 € pro Monat Lücke, und das ist ein durchaus typischer Wert. Den exakten Betrag für deine Situation ermittelst du am besten mit dem Renten-Gap-Rechner:

Rechner

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Schritt 4: Die Lücke schließen

Eine Lücke von 810 €/Monat klingt erschreckend, bis man rechnet, wie viel Kapital dafür nötig ist und wie ein Sparplan das leistet.

Als grobe Orientierung: Um im Ruhestand dauerhaft rund 800 €/Monat zusätzlich entnehmen zu können, ist je nach Entnahmestrategie ein Kapitalstock im Bereich von 200.000 bis 250.000 € sinnvoll.

Was es kostet, ein solches Kapital aufzubauen, hängt massiv vom Startzeitpunkt ab:

Start mit AlterJahre bis 67Nötige Sparrate für ~220.000 € (7 % p.a.)
3037ca. 95 €/Monat
4027ca. 215 €/Monat
5017ca. 580 €/Monat

Spiel deine eigene Sparrate durch:

Mehr dazu, wie schon kleine Beträge wachsen, liest du unter 100 € im Monat anlegen. Und wer für Kinder vorsorgt, sollte den Artikel zur Frühstart-Rente kennen.

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Häufige Fragen

Wie berechne ich meine Rentenlücke?

Schätze deinen Bedarf im Alter (Faustregel: 80 % deines heutigen Netto) und ziehe deine erwartete gesetzliche Rente (netto, nach Abzügen) ab. Die Differenz ist deine Rentenlücke. Der Renten-Gap-Rechner macht das automatisch.

Wie hoch ist die durchschnittliche Rentenlücke?

Das hängt stark vom Einkommen ab. Bei mittleren Einkommen liegt die Lücke häufig bei 700 bis 1.000 € pro Monat. Wer überdurchschnittlich verdient, hat oft eine noch größere Lücke, weil die gesetzliche Rente nach oben gedeckelt ist.

Warum reicht die gesetzliche Rente nicht?

Das Rentenniveau liegt bei rund 48 %, und das gilt nur für einen Standardrentner mit 45 Beitragsjahren zum Durchschnittsverdienst. Lücken im Erwerbsleben, Teilzeit oder ein höheres Wunschniveau im Alter vergrößern die Lücke zusätzlich.

Wie schließe ich die Rentenlücke am besten?

Üblich ist ein langfristiger Sparplan, oft in breit gestreute Aktien-ETFs. Entscheidend ist ein früher Start: Wer mit 30 beginnt, braucht für denselben Zielbetrag nur einen Bruchteil der Sparrate, die mit 50 nötig wäre.

Wann sollte ich mit der Altersvorsorge anfangen?

So früh wie möglich. Jedes Jahr früher reduziert die nötige monatliche Sparrate spürbar, weil der Zinseszins länger wirken kann. Der zweitbeste Zeitpunkt ist immer heute.

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Über den Autor

Alexander

Gründer von MyFinance

Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.

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