Rürup-Rente: für wen sich die Basisrente wirklich lohnt
Die Rürup-Rente bietet hohe Steuervorteile in der Ansparphase, dafür ist das Kapital streng gebunden. Wann sich die Basisrente lohnt und für wen ein ETF-Sparplan besser passt.
Alexander
Gründer von MyFinance
Inhaltsverzeichnis
- Was die Rürup-Rente ist
- Die Steuervorteile in der Ansparphase
- Die Nachteile, die viele übersehen
- 1. Geld ist gebunden
- 2. Nur als lebenslange Rente
- 3. Nicht klassisch vererbbar
- 4. Volle Besteuerung im Alter
- 5. Oft hohe Kosten
- Vergleich mit ETF-Sparplan
- Für wen die Rürup-Rente sinnvoll ist
- Für wen sie NICHT sinnvoll ist
Die Rürup-Rente, korrekt Basisrente, ist ein staatlich gefördertes Vorsorgeprodukt. Sie bietet attraktive Steuervorteile beim Einzahlen, ist aber im Gegenzug extrem unflexibel. Wann sich die Basisrente lohnt und wann nicht.
Was die Rürup-Rente ist
Die Rürup-Rente wurde 2005 als Pendant zur Riester-Rente eingeführt, vor allem für Selbstständige gedacht, die keinen Zugang zur gesetzlichen Rente haben. Sie ist eine private Rentenversicherung mit besonderen steuerlichen Regeln.
Das Konzept folgt der nachgelagerten Besteuerung:
- Ansparphase: Beiträge mindern dein zu versteuerndes Einkommen
- Rentenphase: Die Rente wird (2026) zu 100 % besteuert
Du verschiebst die Steuer also in die Rentenphase, in der dein Steuersatz oft niedriger ist.
Die Steuervorteile in der Ansparphase
Beiträge zur Rürup-Rente sind als Sonderausgaben absetzbar, bis zu einem Höchstbetrag. Für 2026 liegt dieser bei rund 29.350 € für Singles bzw. 58.700 € für Verheiratete (Werte können sich jährlich anpassen).
Rechenbeispiel: Ein Selbstständiger mit 80.000 € zu versteuerndem Einkommen zahlt 10.000 € in eine Rürup-Rente.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Rürup-Beitrag | 10.000 € |
| Steuerersparnis (Grenzsteuersatz ca. 42 % + Soli) | ca. 4.430 € |
| Effektive Kosten | ca. 5.570 € |
Aus 10.000 € „werden" 5.570 € echte Kosten. Diese Sofortwirkung ist der Hauptvorteil der Rürup-Rente.
Die Nachteile, die viele übersehen
Die andere Seite der Medaille ist substantiell.
1. Geld ist gebunden
Das Kapital lässt sich nicht entnehmen, nicht beleihen, nicht kündigen. Im Notfall kommst du an keinen Cent.
2. Nur als lebenslange Rente
Die Auszahlung erfolgt ausschließlich als monatliche Rente ab dem 62. Lebensjahr. Eine Einmalauszahlung gibt es nicht.
3. Nicht klassisch vererbbar
Im Todesfall geht das Kapital normalerweise an die Versichertengemeinschaft. Nur über teure Zusatzbausteine (Hinterbliebenenrente, Beitragsrückgewähr) kannst du dein Erbe schützen.
4. Volle Besteuerung im Alter
Während früher gestaffelt besteuert wurde, ist die Rente ab 2040 zu 100 % steuerpflichtig. Wer heute einzahlt und in 20 Jahren in Rente geht, zahlt also Vollsteuer auf die Auszahlung.
5. Oft hohe Kosten
Versicherungen kalkulieren Verwaltungskosten, Risikobeiträge und Vertriebsprovisionen ein. Vor Abschluss unbedingt die Effektivkosten im Beratungsprotokoll prüfen.
Vergleich mit ETF-Sparplan
| Kriterium | Rürup-Rente | ETF-Sparplan |
|---|---|---|
| Steuervorteil Ansparphase | hoch (bis zu 42 % Grenzsteuersatz) | keiner |
| Flexibilität | extrem niedrig | extrem hoch |
| Kosten | mittel bis hoch | niedrig (ab 0,15 % TER) |
| Auszahlung | nur Rente, voll steuerpflichtig | jederzeit, Abgeltungsteuer plus Teilfreistellung |
| Vererbbarkeit | nein (nur mit Zusätzen) | uneingeschränkt |
Was aus 200 € monatlich in einem ETF-Sparplan über 30 Jahre wird, siehst du im Rechner:
Für wen die Rürup-Rente sinnvoll ist
- Selbstständige ohne gesetzliche Rente, die staatliche Förderung mitnehmen wollen
- Gutverdiener mit hohem Grenzsteuersatz (42 % oder mehr) und sicheren Einkommensaussichten
- Wer den Sofort-Steuervorteil stärker gewichtet als spätere Flexibilität
- Wer das Geld wirklich erst im Alter als Rente braucht und keine Anpassung will
Für wen sie NICHT sinnvoll ist
- Junge Selbstständige mit schwankendem Einkommen: zu wenig Flexibilität
- Angestellte mit moderatem Einkommen: Steuerersparnis zu klein, gesetzliche Rente belegt schon viel vom Höchstbetrag
- Wer flexibel bleiben will: ETF-Sparplan ist überlegen
- Wer Familie vererben will und keine teuren Zusatzbausteine zahlen möchte
Eine ehrliche Einordnung in den Gesamtkontext der Altersvorsorge gibt der Artikel Private Altersvorsorge. Wer sich vor allem für die ETF-Variante interessiert, liest Altersvorsorge mit ETF.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Rürup und Riester?
Beide sind staatlich gefördert. Riester arbeitet mit direkten Zulagen und ist auf rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer und Beamte zugeschnitten. Rürup arbeitet ausschließlich über den Steuerabzug und richtet sich vor allem an Selbstständige und Gutverdiener.
Kann ich die Rürup-Rente kündigen?
Nein. Du kannst sie nur beitragsfrei stellen, dann ruht der Vertrag bis zum Rentenalter. Das Kapital ist und bleibt gebunden, eine Auszahlung als Einmalbetrag gibt es nicht.
Lohnt sich Rürup für Angestellte?
Meist weniger, weil die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung den Höchstbetrag für Sonderausgaben weitgehend ausschöpfen. Ein Rest bleibt zwar, aber der Steuervorteil ist viel kleiner als bei Selbstständigen, die gar keine gesetzliche Rente haben.
Was passiert mit der Rürup-Rente im Todesfall?
Im Standardvertrag geht das Kapital an die Versichertengemeinschaft. Nur über teure Zusatzbausteine (Hinterbliebenenrente, Beitragsrückgewähr) können Angehörige Geld erhalten. Diese Bausteine reduzieren aber die spätere Rente deutlich.
Wird die Rürup-Rente im Alter besteuert?
Ja, und ab 2040 zu 100 %. Wer heute einzahlt und in über 15 Jahren in Rente geht, zahlt also auf die Auszahlungen den vollen persönlichen Einkommensteuersatz.
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Über den Autor
AlexanderGründer von MyFinance
Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.
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