Kredit umschulden: wann sich der Wechsel wirklich lohnt

Eine Umschuldung kann fünfstellige Beträge sparen. Wann sich der Aufwand rechnet, was die Vorfälligkeitsentschädigung kostet und wie der Wechsel sauber abläuft.

Alexander

Gründer von MyFinance

· 5 min Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

Wer einen teuren Kredit oder einen ausgereizten Dispo trägt, lässt oft viel Geld liegen. Eine Umschuldung kann den Zinsaufwand spürbar senken, manchmal um vierstellige Beträge. Hier, wann sich der Wechsel wirklich rechnet und wie er sauber abläuft.

Was eine Umschuldung ist

Bei einer Umschuldung löst du einen bestehenden Kredit mit einem neuen Kredit ab, meist zu besseren Konditionen. Drei typische Anlässe:

  • Zinsen sind gefallen, du würdest heute einen deutlich günstigeren Kredit bekommen
  • Du hast mehrere Kredite und willst sie zu einem einzigen mit niedrigerer Rate zusammenfassen
  • Du willst den teuren Dispo durch einen günstigen Ratenkredit ersetzen

In allen drei Fällen geht es darum, den Effektivzins zu senken oder die Rate zu reduzieren.

Wann es sich wirklich rechnet

Eine grobe Faustregel: Der neue Effektivzins sollte mindestens 1,5 bis 2 Prozentpunkte unter dem alten liegen, damit sich der Aufwand und eine eventuelle Vorfälligkeitsentschädigung lohnen.

Konkret: Bei 10.000 € Restschuld und 4 Jahren Restlaufzeit bringt eine Zinssenkung von 7 % auf 4 % rund 600 bis 700 € Ersparnis, abzüglich der Vorfälligkeitsentschädigung.

Die Vorfälligkeitsentschädigung

Wer einen Kredit vorzeitig ablöst, muss der Bank in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen, weil sie auf Zinsen verzichtet. Bei Verbraucherkrediten ist die Höhe gesetzlich gedeckelt:

RestlaufzeitMaximale Vorfälligkeitsentschädigung
über 1 Jahr1,0 % der Restschuld
unter 1 Jahr0,5 % der Restschuld

Bei 10.000 € Restschuld sind das also höchstens 100 €, deutlich weniger als bei Baufinanzierungen. Das macht Umschuldungen bei Konsumkrediten oft sofort attraktiv.

So läuft die Umschuldung ab

  1. Restschuld ermitteln. Beim alten Kreditgeber den aktuellen Ablösebetrag erfragen (inkl. Vorfälligkeitsentschädigung).
  2. Angebote vergleichen. Mehrere Banken oder Vergleichsportale anfragen. Achte auf den Effektivzins, nicht den Sollzins.
  3. Neuen Kredit beantragen. In Höhe der alten Restschuld plus eventueller Gebühren.
  4. Alten Kredit ablösen. Die neue Bank überweist den Betrag direkt an die alte (oder du, je nach Anbieter).
  5. Bestätigung einholen. Schriftliche Bestätigung der vollständigen Ablösung vom alten Kreditgeber.

Was die neue Rate konkret kosten würde, kannst du im Rechner durchspielen:

Mehrere Kredite zu einem zusammenfassen

Wer drei oder vier kleinere Kredite parallel laufen hat, profitiert oft doppelt: niedrigerer Zins UND einfachere Übersicht durch nur noch eine Rate pro Monat.

Wichtig: Die Gesamtrate sollte nicht steigen, nur weil die Laufzeit gestreckt wird. Sonst zahlst du am Ende mehr Zinsen, obwohl der Satz niedriger ist.

Wann sich die Umschuldung NICHT lohnt

  • Der Zinsunterschied ist kleiner als 1 Prozentpunkt
  • Die Restlaufzeit ist unter einem Jahr (Vorfälligkeitsentschädigung und Wechselaufwand fressen die Ersparnis)
  • Du würdest zwischenzeitlich in einem schlechteren Schufa-Score landen
  • Der bestehende Kredit hat besondere Konditionen (z.B. zinsverbilligt vom Staat oder Arbeitgeber)

Baufinanzierung umschulden: anderer Fall

Für Baufinanzierungen gelten andere Regeln. Hier ist die Vorfälligkeitsentschädigung deutlich höher und das Vorgehen anders. Der eigenständige Artikel Anschlussfinanzierung erklärt, wann und wie sich der Wechsel bei Immobilienkrediten rechnet, inklusive des gesetzlichen Sonderkündigungsrechts nach 10 Jahren.

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Häufige Fragen

Wann lohnt sich eine Umschuldung?

Faustregel: Wenn der neue Effektivzins mindestens 1,5 bis 2 Prozentpunkte unter dem alten liegt und die Restlaufzeit noch mindestens ein Jahr beträgt. Bei einem teuren Dispo (oft 10 % und mehr) lohnt sich der Wechsel in einen Ratenkredit fast immer.

Was kostet eine Umschuldung?

Bei Verbraucherkrediten gibt es eine gesetzlich gedeckelte Vorfälligkeitsentschädigung von maximal 1 % der Restschuld (bei Restlaufzeit über 1 Jahr) bzw. 0,5 % bei kürzerer Restlaufzeit. Dazu kommen meist nur kleine Bearbeitungsgebühren der neuen Bank.

Kann ich auch mehrere Kredite zusammenfassen?

Ja, das ist sogar einer der häufigsten Gründe. Mehrere parallele Kredite werden zu einem neuen Kredit zusammengefasst, oft mit niedrigerer Gesamtrate und einer einzigen Abbuchung pro Monat. Achte darauf, dass die Gesamtzinskosten wirklich sinken, nicht nur die Monatsrate.

Schadet eine Umschuldung meinem Schufa-Score?

Eine Umschuldung erzeugt eine Konditionenanfrage, die anders gewertet wird als ein abgeschlossener Kredit. Der Score kann kurzfristig leicht schwanken, langfristig aber profitierst du, weil du nur noch einen statt mehrere Kredite gemeldet hast.

Wie schnell geht eine Umschuldung?

Bei reinen Online-Anbietern oft innerhalb von 2 bis 7 Werktagen. Klassische Filialbanken brauchen meist 2 bis 4 Wochen. Den Prozess kannst du beschleunigen, indem du den aktuellen Ablösebetrag deines alten Kredits schon vor der Anfrage parat hast.

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Über den Autor

Alexander

Gründer von MyFinance

Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.

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