Rente mit 63: wer wirklich früher in Rente gehen kann
Die „Rente mit 63" gibt es so kaum noch. Wer 45 Jahre eingezahlt hat, geht abschlagsfrei, aber später. Wer mit 63 startet, zahlt Abschläge. Hier alle Regeln 2026.
Alexander
Gründer von MyFinance
Inhaltsverzeichnis
- Die zwei Wege in den früheren Ruhestand
- Weg 1: Rente für besonders langjährig Versicherte (45 Jahre)
- Weg 2: Rente für langjährig Versicherte (35 Jahre)
- Was zählt als Versicherungsjahr?
- Was der frühere Ausstieg kostet
- Abschläge ausgleichen, statt sie hinzunehmen
- Darf ich neben der Rente mit 63 arbeiten?
- Lohnt sich der frühere Ausstieg?
„Mit 63 in Rente" klingt nach einem festen Versprechen. Tatsächlich verbergen sich dahinter zwei verschiedene Rentenarten mit ganz unterschiedlichen Bedingungen, und die Altersgrenzen verschieben sich seit Jahren nach hinten. Hier die ehrliche Einordnung, was 2026 wirklich gilt.
Die zwei Wege in den früheren Ruhestand
Wer vor der regulären Altersgrenze von 67 in Rente will, hat zwei Optionen, und sie unterscheiden sich grundlegend.
Weg 1: Rente für besonders langjährig Versicherte (45 Jahre)
Das ist die echte „Rente mit 63". Wer 45 Versicherungsjahre zusammenbekommt, kann abschlagsfrei vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen.
Der Haken: Die Altersgrenze dafür ist von ursprünglich 63 (Jahrgang 1952) schrittweise auf 65 gestiegen. Für alle ab Jahrgang 1964 liegt sie bei 65 Jahren. Die „63" stimmt also nur noch historisch, faktisch ist es für die meisten heute Berufstätigen eine „Rente mit 65".
Weg 2: Rente für langjährig Versicherte (35 Jahre)
Wer 35 Versicherungsjahre hat, kann tatsächlich schon ab 63 in Rente, dafür aber mit Abschlägen. Für jeden Monat, den du vor deiner regulären Altersgrenze gehst, werden 0,3 % abgezogen, dauerhaft.
Was zählt als Versicherungsjahr?
Ein wichtiger Unterschied zwischen den beiden Wegen:
- 45-Jahre-Variante: Es zählen Beitragszeiten aus Beschäftigung, Pflege, Kindererziehung (bis 10 Jahre pro Kind) und Pflichtbeiträge. Zeiten von Arbeitslosengeld I zählen in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn nicht (außer bei Insolvenz des Arbeitgebers). ALG II zählt gar nicht.
- 35-Jahre-Variante: Hier zählen zusätzlich auch Anrechnungszeiten wie schulische Ausbildung großzügiger mit.
Deine genaue Anzahl an Versicherungsjahren steht in deiner Renteninformation oder dem Versicherungsverlauf der Deutschen Rentenversicherung.
Was der frühere Ausstieg kostet
Ein Rechenbeispiel: Angenommen, deine reguläre Rente mit 67 läge bei 1.800 € brutto.
| Renteneintritt | Abschlag | Monatliche Rente |
|---|---|---|
| mit 67 (regulär) | 0 % | 1.800 € |
| mit 65 (2 Jahre früher) | 7,2 % | ca. 1.670 € |
| mit 64 (3 Jahre früher) | 10,8 % | ca. 1.606 € |
| mit 63 (4 Jahre früher) | 14,4 % | ca. 1.541 € |
Über 259 € weniger pro Monat, dauerhaft. Dazu kommt: In den vier vorgezogenen Jahren zahlst du auch keine Beiträge mehr ein, was die Rente zusätzlich senkt.
Wie groß deine Versorgungslücke insgesamt ist, schätzt du am besten mit dem Renten-Gap-Rechner ab, mehr dazu im Artikel Rentenlücke berechnen.
Abschläge ausgleichen, statt sie hinzunehmen
Die Abschläge sind nicht zwingend. Es gibt zwei Hebel:
- Sonderzahlungen an die Rentenversicherung: Ab 50 kannst du gezielt einzahlen, um Abschläge auszugleichen. Das ist oft steuerlich begünstigt.
- Eigenes Kapital aufbauen: Wer früh einen Sparplan bespart, kann die vorgezogenen Jahre aus dem eigenen Depot überbrücken, statt eine dauerhaft gekürzte Rente zu akzeptieren.
Was regelmäßiges Sparen über die Jahre leisten kann, zeigt der Sparplanrechner:
Darf ich neben der Rente mit 63 arbeiten?
Ja. Seit 2023 gibt es bei der vorgezogenen Altersrente keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Du kannst die Rente beziehen und unbegrenzt weiter dazuverdienen. Das macht ein Modell mit Teilrente plus Teilzeit attraktiv.
Lohnt sich der frühere Ausstieg?
Das ist eine Rechenfrage und eine Lebensfrage:
- Finanziell: Wer lange lebt, hat über die Gesamtlaufzeit mehr von der höheren späten Rente. Wer früher gesundheitlich eingeschränkt ist oder das Leben jetzt genießen will, gewichtet die früheren Jahre höher.
- Praktisch: Mit eigenem Kapitalpolster lässt sich der Übergang flexibel gestalten, ohne dauerhafte Abschläge.
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Häufige Fragen
Kann ich 2026 noch mit 63 abschlagsfrei in Rente?
Nein, nicht abschlagsfrei. Die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte (45 Jahre) hat für Jahrgänge ab 1964 die Altersgrenze 65. Mit genau 63 geht nur die Rente für langjährig Versicherte (35 Jahre), und die ist mit Abschlägen verbunden.
Wie viel Abschlag zahle ich mit 63?
0,3 % pro Monat, den du vor deiner regulären Altersgrenze (67 für Jahrgang 1964 und später) in Rente gehst. Vier Jahre früher bedeuten 14,4 % dauerhaften Abschlag.
Was zählt alles als Versicherungsjahr?
Beitragszeiten aus Beschäftigung, Kindererziehungszeiten, Pflege und Pflichtbeiträge. Bei der 45-Jahre-Variante zählen Zeiten von Arbeitslosengeld I in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn nicht mit. Den genauen Stand zeigt dein Versicherungsverlauf.
Kann ich neben der vorgezogenen Rente arbeiten?
Ja. Seit 2023 gibt es bei vorgezogenen Altersrenten keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Du kannst unbegrenzt dazuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird.
Kann ich die Abschläge ausgleichen?
Ja. Ab dem 50. Lebensjahr sind Sonderzahlungen an die Rentenversicherung möglich, um Abschläge auszugleichen, oft steuerlich begünstigt. Alternativ überbrückt man die vorgezogenen Jahre mit eigenem angespartem Kapital.
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Über den Autor
AlexanderGründer von MyFinance
Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.
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