Finanzielle Unabhängigkeit berechnen 2026: deine konkrete Zahl

So berechnest du deine persönliche FIRE-Zahl, die monatliche Sparrate und das Datum deiner finanziellen Unabhängigkeit. Mit Schritt-für-Schritt-Anleitung und Beispielen.

Alexander

Gründer von MyFinance

· 6 min Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

Die drei Zahlen, die du brauchst

Um deine finanzielle Unabhängigkeit zu berechnen, brauchst du genau drei Werte:

  1. Deine jährlichen Ausgaben in heutigen Euro
  2. Dein FIRE-Datum (Jahr, in dem du frei sein willst)
  3. Deine Anlagestrategie (typische Renditeerwartung)

Aus diesen drei Werten ergibt sich alles andere: die FIRE-Zahl, die notwendige Sparrate, der Aufholpfad.

Sehen wir uns jeden Schritt an.

Schritt 1: Jahresausgaben ehrlich ermitteln

Hier scheitern die meisten Rechnungen, weil sie auf Wunschzahlen basieren statt auf der Realität.

Methode:

  • Hol dir die letzten 12 Kontoauszüge (Giro + Kreditkarte + alle Konten)
  • Zähle alle Ausgaben zusammen (inkl. einmaliger Kosten wie Urlaub, Weihnachten, Reparaturen)
  • Teile die Summe durch 12 für den monatlichen Durchschnitt
  • Multipliziere mit 12 für die Jahresausgaben

Wer schon ein Budget hat, kann mit der Summe aus dem Haushaltsbudget-Rechner arbeiten.

Wichtig: Berücksichtige Veränderungen, die du nach FIRE planst:

  • Wegfallende Kosten: ÖPNV-Pendel, Arbeitskleidung, Mittagessen auf Arbeit (typisch 100 bis 300 €/Monat weniger)
  • Hinzukommende Kosten: Krankenversicherung freiwillig (200 bis 400 €/Monat mehr), mehr Freizeitkosten (Reisen, Hobbys)
  • Netto-Effekt: oft ähnlich, manchmal etwas mehr Ausgaben in FIRE

Realistische Korrektur: +/− 10 % auf deine heutigen Ausgaben.

Schritt 2: FIRE-Zahl mit der 4-%-Regel

Die einfache Faustformel:

FIRE-Zahl = Jahresausgaben × 25

Beispiele:

  • 24.000 € jährlich → FIRE-Zahl 600.000 €
  • 36.000 € jährlich → FIRE-Zahl 900.000 €
  • 50.000 € jährlich → FIRE-Zahl 1.250.000 €
  • 70.000 € jährlich → FIRE-Zahl 1.750.000 €

Die 4-%-Regel stammt aus der Trinity-Studie (1998): Bei einem 4-%-Entnahmesatz aus einem diversifizierten Portfolio läuft das Vermögen historisch über 30 Jahre mit 96 % Wahrscheinlichkeit durch.

Konservativ rechnen: 3 bis 3,5 % statt 4 %. Das macht die FIRE-Zahl 14 bis 33 % höher:

  • 3,5 % Entnahme → FIRE-Zahl = Jahresausgaben × 28,6
  • 3,0 % Entnahme → FIRE-Zahl = Jahresausgaben × 33,3

Bei langem Planungshorizont (FIRE mit 40, 60 Jahre erwartete Restlebenszeit) ist die konservative Variante empfehlenswert.

Schritt 3: Sparrate für dein FIRE-Datum

Hier wird es konkreter. Die Formel:

FV = Startkapital × (1+r)^n + Sparrate × ((1+r)^n − 1) ÷ r

(wobei r der jährliche Zinssatz und n die Anzahl der Jahre ist)

Wer das nicht selbst rechnen will, nutzt den Sparplanrechner und probiert verschiedene Sparraten, bis die FIRE-Zahl erreicht ist.

Konkretes Beispiel:

Annahmen:

  • Du bist 32 Jahre alt
  • Aktuelles Vermögen: 25.000 €
  • Jahresausgaben heute: 28.000 €
  • FIRE-Zahl: 28.000 × 25 = 700.000 €
  • Gewünschtes FIRE-Datum: 50 (18 Jahre)
  • Reale Rendite: 5 % (nach Inflation)

Notwendige monatliche Sparrate: rund 1.700 €/Monat

Wenn dein Netto-Einkommen 3.800 € beträgt, ergibt das eine Sparquote von 45 %.

Schritt 4: Sicherheitspuffer einbauen

Die Rechnung oben unterstellt:

  • Konstante 5 % reale Rendite (in der Realität schwankt sie stark)
  • Keine Sequenz-Risiken am FIRE-Datum
  • Konstante Ausgaben (in der Realität gibt es Lebensereignisse)

Bewährter Sicherheitspuffer: +30 % auf die FIRE-Zahl. Beispiel: rechnerische FIRE-Zahl 700.000 €, Sicherheitspuffer 910.000 €. Das gibt dir Raum für Marktcrashes, Inflations-Überraschungen und Lebensereignisse.

Alternative: 2 Jahresausgaben Cash-Puffer auf Tagesgeld zu FIRE-Beginn. Wenn der Markt einbricht, lebst du eine Zeit aus dem Cash, verkaufst nicht ins Tief.

Schritt 5: gesetzliche Rente einrechnen

Wichtiger Hebel, der viele FIRE-Rechnungen verzerrt: Wer in Deutschland 20+ Jahre eingezahlt hat, bekommt eine spürbare gesetzliche Rente ab 67.

Beispiel: Deine FIRE-Zahl beträgt 700.000 € (für 28.000 € Jahresausgaben). Ab 67 bekommst du 1.100 €/Monat Rente = 13.200 €/Jahr. Dein Depot muss ab 67 nur noch 14.800 €/Jahr decken, also 14.800 × 25 = 370.000 €.

Das heißt: Du brauchst von 50 bis 67 die volle Entnahme aus 700.000 €, ab 67 reichen 370.000 €. Über die Lebensspanne brauchst du weniger Gesamtvermögen, als die klassische 25er-Regel vermuten lässt.

Mit dem Renten-Gap-Rechner kannst du deine konkrete Rentenerwartung durchspielen.

Vollständiges Beispiel: Klaus, 38 Jahre

Klaus, 38, verheiratet, 1 Kind. Netto 5.200 € (gemeinsam mit Partnerin 7.800 €).

Schritt 1: Ausgaben Familienausgaben aktuell 5.600 €/Monat = 67.200 €/Jahr. Erwartung nach FIRE: leicht niedriger (z. B. weniger Arbeitsweg) und leicht höher (KV) = neutral. Jahresausgaben FIRE: 67.000 €.

Schritt 2: FIRE-Zahl

  • Klassisch 4-%: 67.000 × 25 = 1.675.000 €
  • Konservativ 3,5 %: 67.000 × 28,6 = 1.916.000 €

Schritt 3: Sparrate Klaus + Partnerin sparen 2.200 €/Monat (28 % Sparquote). Aktuelles Vermögen 220.000 €.

Im Sparplanrechner: 220.000 € Startkapital + 2.200 €/Monat + 5 % real → erreicht 1.675.000 € in rund 18 Jahren, also FIRE mit 56.

Schritt 4: Sicherheitspuffer Klaus rechnet konservativ mit 1,9 Mio. € und +20 % Puffer = 2,3 Mio. € Zielwert. Damit verschiebt sich FIRE auf rund 60.

Schritt 5: Rente einrechnen Ab 67 bekommen beide zusammen schätzungsweise 2.800 €/Monat Rente = 33.600 €/Jahr. Vermögensbedarf nach 67 sinkt: 67.000 − 33.600 = 33.400 € aus Depot. Bei 3,5 % Entnahme: 956.000 €.

Klaus zerlegt den Plan also in zwei Phasen:

  • 60 bis 67: Volle Entnahme aus Depot, braucht ca. 7 × 67.000 € + 956.000 € = 1,42 Mio. €
  • ab 67: weiterhin 956.000 € bei reduzierter Entnahme

Bei aktueller Sparrate erreichbar mit rund 57.

Häufige Fragen

Welche Rendite-Annahme ist realistisch? Für eine ETF-fokussierte Strategie auf 20+ Jahre Horizont: 5 % reale Rendite (nach Inflation) ist konservativ und historisch belegt. 6 bis 7 % real ist möglich, aber nicht garantiert. Wer in der Rechnung 8 % oder mehr ansetzt, baut auf optimistische Annahmen.

Wie oft soll ich die FIRE-Zahl neu berechnen? Einmal pro Jahr, am besten zur jährlichen Finanz-Inventur. Lebensumstände ändern sich (Familienzuwachs, Karrieresprünge, Erbschaft), Ausgaben verschieben sich, Märkte machen, was sie machen.

Was ist mit Steuern auf die Entnahmen? In der Entnahmephase fallen Abgeltungsteuer (26,375 % plus Soli) auf Kursgewinne und Vorabpauschalen an. Bei niedrigem Gesamteinkommen in FIRE kann der Grenzsteuersatz deutlich niedriger liegen, was sich für Veranlagungsoption lohnt. Vereinfacht: rechne ca. 1,5 Prozentpunkte weniger reale Rendite ein, dann hast du die Steuer berücksichtigt.

Wann lohnt sich ein Finanzberater? Für die Standard-Rechnung selten. Wer aber komplexere Setups hat (selbstständig, mehrere Töchterfirmen, große Erbschaftsplanung), profitiert von professioneller Beratung. Honorar-basiert, nicht provisionsbasiert.

Was, wenn ich mein FIRE-Datum nicht erreiche? Dann verschiebst du es. FIRE ist kein binäres Ereignis, sondern ein Übergangsprozess. Wer mit 50 bemerkt, dass das Depot nur 80 % der FIRE-Zahl erreicht hat, kann entweder weiterarbeiten, in barristaFIRE wechseln oder die Ausgaben anpassen. Mehr im Ratgeber fatFIRE, leanFIRE, coastFIRE.

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Über den Autor

Alexander

Gründer von MyFinance

Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung. Alle Berechnungen nutzen die offiziellen Werte für das jeweilige Steuerjahr. Mehr dazu in unseren redaktionellen Standards.