Soli 2026: wer zahlt noch wie viel Solidaritätszuschlag?

Seit 2021 zahlen 90 % der Steuerzahler keinen Soli mehr. Wer noch dran ist, was die Milderungszone bringt und wie viel das konkret kostet, mit Live-Rechner.

Alexander

Gründer von MyFinance

· aktualisiert 13. Juni 2026· 5 min Lesezeit
Inhaltsverzeichnis

Der Solidaritätszuschlag wurde 1991 nach der Wiedervereinigung eingeführt, als befristete Sonderabgabe. Aus „befristet" wurde dann „dauerhaft", bis 2021 endlich eine Reform kam. Heute ist der Soli für die allermeisten Arbeitnehmer kein Thema mehr. Aber wer mehr verdient, zahlt ihn weiterhin, wenn auch oft nicht in voller Höhe.

Was ist der Soli überhaupt?

Der Solidaritätszuschlag ist kein eigenständiger Steuersatz, sondern ein Aufschlag auf andere Steuern:

  • 5,5 % der Lohn- oder Einkommensteuer
  • 5,5 % der Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer auf Zinsen/Dividenden)
  • 5,5 % der Körperschaftsteuer (Unternehmen)

Wichtig: Der Soli läuft auf die Steuer, nicht auf das Einkommen. Wer 10.000 € Lohnsteuer zahlt, hätte regulär 550 € Soli, aber nur, wenn die Freigrenze überschritten wird.

Die drei Soli-Zonen ab 2021

Seit der Reform gibt es drei Zonen, abhängig von der Höhe deiner Lohn-/Einkommensteuer.

Zone 1: Freigrenze (kein Soli)

Wenn deine Lohnsteuer unter 20.350 €/Jahr (Single) bzw. 40.700 € (Verheiratete, Splitting) liegt, zahlst du null Soli.

Das entspricht 2026 grob:

  • Single: Brutto bis ca. 90.000 €, also kein Soli
  • Verheiratete (Splitting): Brutto bis ca. 180.000 €, also kein Soli

Heißt: Wer als Single 60.000 € verdient, zahlt null Soli. Wer 100.000 € verdient, zahlt einen reduzierten Soli (siehe Zone 2).

Zone 2: Milderungszone (reduzierter Soli)

Zwischen der Freigrenze und dem Punkt, ab dem voll Soli gezahlt wird, liegt die Milderungszone. Hier wird der Soli linear hochgefahren, damit es keinen brutalen Sprung gibt.

Konkret 2026:

  • Single: Steuer ca. 20.350 € bis ca. 37.100 €, also Milderungszone
  • Das entspricht Brutto ca. 90.000 € bis ca. 132.000 €

In dieser Zone zahlst du z.B. bei 100.000 € Brutto/Single nur noch ca. 440 € Soli/Jahr statt der vollen 5,5 %.

Zone 3: Voller Soli (5,5 %)

Erst ab Brutto über ca. 132.000 € (Single) bzw. 264.000 € (Verheiratete) zahlst du den vollen Satz von 5,5 % deiner Lohnsteuer.

Live-Rechner: dein Soli 2026

Probier verschiedene Bruttos durch, der Rechner zeigt unten den genauen Soli-Anteil:

Geh mal von 60.000 auf 75.000 auf 90.000 auf 110.000. Du siehst, wie der Soli erst bei 90k+ überhaupt relevant wird und dann progressiv anwächst.

Wer zahlt 2026 noch Soli, und wie viel?

Faustwerte für Singles, Steuerklasse I, gesetzlich versichert, ohne Kirchensteuer:

Brutto/JahrSoli/JahrAnteil am Brutto
50.000 €0 €0 %
60.000 €0 €0 %
73.500 €0 €0 %
80.000 €0 €0 %
90.000 €0 €0 %
100.000 €ca. 440 €0,44 %
105.000 €ca. 690 €0,66 %
120.000 €ca. 1.440 €1,20 %
150.000 €ca. 2.460 €1,64 %
200.000 €ca. 3.610 €1,81 %

Bei Verheirateten mit Splitting verdoppeln sich die Schwellen. Die Steuerklasse 3-Bezieher zahlen bis ca. 180.000 € Brutto null Soli.

Soli auf Kapitalerträge

Eine oft übersehene Falle: bei Kapitalerträgen (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne über Sparerpauschbetrag) wird der Soli immer abgezogen, die Freigrenze gilt nicht.

  • Sparerpauschbetrag 2026: 1.000 € (Single) / 2.000 € (Verheiratet)
  • Darüber: 25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Soli darauf, also 26,375 %

Wird der Soli 2026 weiter gesenkt oder abgeschafft?

Aktueller Stand 2026:

  • Bundestag und Bundesrat haben keine weitere Senkung beschlossen
  • Bundesverfassungsgericht prüft Klagen gegen die Beibehaltung, ein Urteil ist noch offen
  • Die FDP hatte komplette Abschaffung gefordert, das ist 2026 nicht durchgekommen

Wahrscheinliche Szenarien:

  1. Status Quo bleibt (am wahrscheinlichsten 2026)
  2. Vollabschaffung durch Verfassungsgericht (Verfassungsklagen anhängig)
  3. Weitere Senkung der Freigrenze (eher unwahrscheinlich, da Aufkommen ~10-12 Mrd. €/Jahr für den Bund)

Zusammenfassung: wann zahlst du Soli?

Du bist...Brutto/JahrSoli?
Singleunter 90.000 €❌ Nein
Single90.000 - 132.000 €🟡 Reduziert (Milderungszone)
Singleüber 132.000 €✅ Voll (5,5 %)
Verheiratetunter 180.000 €❌ Nein
Verheiratet180.000 - 264.000 €🟡 Reduziert
Verheiratetüber 264.000 €✅ Voll
Wer auch immermit Kapitalerträgen über Pauschbetrag✅ Voll, immer

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Häufige Fragen

Wofür wird der Soli heute eigentlich noch verwendet?

Er fließt seit Jahren in den allgemeinen Bundeshaushalt, also nicht mehr zweckgebunden für den „Aufbau Ost". Diese Zweckbindung wurde nie gesetzlich festgelegt; politisch wurde sie aber so kommuniziert. Heute sind es ca. 10-12 Mrd. €/Jahr Aufkommen für den Bund.

Bekomme ich den Soli zurück, wenn ich am Jahresende drunter lande?

Ja, automatisch. Wenn dein Arbeitgeber zu viel Lohnsteuer plus Soli einbehalten hat (z.B. weil du eine Steuerklasse mit hohem Vorabzug hast), wird das beim Jahresabschluss in der Steuererklärung gegengerechnet. Soli zu viel gezahlt heißt Soli zu viel zurück.

Werden Werbungskosten und Sonderausgaben beim Soli berücksichtigt?

Ja, indirekt. Sie senken deine Steuer-Bemessungsgrundlage, die Lohnsteuer sinkt, und der Soli (5,5 % der Lohnsteuer) sinkt entsprechend. Ein 1.000 € höherer Werbungskostenabzug spart bei einem Spitzensteuersatz von 42 % nicht nur 420 € Steuer, sondern auch ca. 23 € Soli.

Lohnt sich Soli-Optimierung überhaupt?

Bei Brutto über 132.000 € ja, denn jede Steuerersparnis spart automatisch 5,5 % zusätzlichen Soli. Klassische Hebel: bAV, Werbungskosten, Spendenabzug, häusliches Arbeitszimmer. Bei Brutto unter 90.000 € (Single) ist Soli kein Thema mehr.

Was ist mit Selbstständigen?

Selbstständige zahlen den Soli auf die Einkommensteuer in ihrem Steuerbescheid, gleiche Freigrenze und Milderungszone wie bei Angestellten. Quartalsweise vorausgezahlt, am Jahresende abgeglichen.

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Über den Autor

Alexander

Gründer von MyFinance

Alexander hat MyFinance gegründet, weil ihm verständliche, ehrliche Finanztools für deutsche Privatanleger gefehlt haben. Er beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit Steuern, Geldanlage und Altersvorsorge und schreibt im Ratgeber über genau diese Themen: mit echten Zahlen, aktuellen Werten für das jeweilige Steuerjahr und ohne Verkaufsmaschen. Jeder Artikel wird gegen die offiziellen Rechtsgrundlagen geprüft.

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